Strom, immer und überall! Es war auch einmal anders.
So berichtete uns Heinrich Meister über die Zeit von „Ochs und Göbel“.
Lang vor RWE und Süwag drehte auf den Höfen  ein Ochse, angebunden an ein Gestell einsam seine Runden. Dieses trieb einen Dynamo zur Stromerzeugung an.
Als er dann kommen sollte; der Strom für alle, stellten die „Dorfsleut“ eigens die Hochspannungsmasten.
Doch selbst danach war noch nicht alles so wie wir es heute kennen. Denn stellten im Unterdorf zwei „Bauersleut“ ihre Starkstrommotoren  an, stand man im Oberdorf im Dunklen.

Frostige Wintertage in Seifen
In seiner Zeit betrieb Otto Wagner die  Seifener Dorfschmiede. In dieser wurde er seinem Namen  gerecht, sein Broterwerb bestand aus dem Bau von Wagenrädern. An kalten Tagen  wurde es eng ums Schmiedefeuer, denn wie allen bekannt, war Ottos Werkstatt der wärmste Ort im Dörfchen.

Und Lustiges gab es auch!
Denn  August Schmidt, seines Zeichens  Lumpenhändler von Beruf, hatte die Angewohnheit von seinen Handelsreisen immer ein Stück frische Fleischwurst mit ins „Dörfchen“ zu bringen. Dieses lag  dann  schön in Papier gehüllt unter dem Sitz des Kutschbockes. Das bekamen auch die „Seifer Spitzbuben“ mit. Und da so ein Stück Fleischwurst in diesen

Werner Fiersbach mit seinem Mistwagen.
Tagen schon etwas ganz besonderes war, kam  irgendwann  der Gedanke, dieses gegen ein Stück Holz zu tauschen. Wieder schön verpackt sollte so etwas eine Zeit lang nicht auffallen. Wie überliefert, blieb es nicht nur bei einem Gedanken.

Manfred Weingarten berichtete  uns über einen Streich mit Werners Mistwagen. So hatte Werner Fiersbach die Angewohnheit beim „Mistfahren“ abends noch einen Wagen für den nächsten Tag vor zu laden. Damit hatte er sich sein „Feierabendbier“ beim „Kolbs Inge“ aber auch zu recht verdient.

Die Pänz nahmen dies zum Anlass Werner einen Streich zu spielen, und entfernten kurzerhand einen Splint vom Wagenrad. Am nächsten Morgen, noch voller Tatendrang  war die Reise schnell  beendet. Denn kaum losgefahren, (rumps) lag der Mist im Hof, und die Achse auf der Erde. Wagenheber? Nee, gab es noch nicht! Als o her mit den Männern vom Dorf. „Heubaum“ in die Hand, und auf damit.
Doch  damit ist die Geschichte noch nicht beendet. Denn die Verursacher waren schnell ausgemacht. So gab es für die Pänz nicht nur vom Werner „ein paar um die Ohren“- nein Vater und anschließend der Lehrer holten auch zum Schlag aus. Aus Sicht der Pänz war dies wohl schmerzhaft, aber nicht der schlimmste Teil der Strafe. Eine Woche Dorfverbot ist schlimmer gewesen.

Ein Dorf in Aufruhr!
Erzählt von Marianne Meister.
Eine Geschichte aus der Nachkriegszeit, die unser Dörfchen in Aufruhr versetzte. Es war um den 25. März 1945, der Krieg war für Seifen schon beendet. Das Wetter war sommerlich warm

Allierte Soldaten marschieren in Seifen ein
und die Bauern des Dorfes bestellten bereits die Felder, als eine amerikanische Besatzungstruppe  den Dorfbewohnern befahl ihre Häuser und somit das Dorf sofort zu verlassen. Überwältigt  und in Panik spannten wir unsere Ochsen und die noch verbliebenen Kühe  vor unsere Gummibereiften Wagen.  Unser Opa, der seit 1943 halbseitig gelähmt war setzten wir auf den Wagen und verließen das Dorf in Richtung Döttesfeld. Dort  machten wir vorerst halt und kamen bei Freunden und Angehörigen unter. Ochse und Kühe konnten wir in noch vorhandene Stallungen unterbringen. In der Eile hatten wir haltbare Verpflegung in Betttücher gewickelt, die uns gemeinsam über die Tage brachten. Die Tage vergingen ruhig.  Da beschloss unser Onkel Otto sich unserem Dorf  zu nähern. Er kam wohlbehalten zurück, berichtete aber dass sich keine weibliche Person nähern durfte. Nach etwa zehn Tagen war der ganze Spuk zu Ende. Denn es war bis nach Altenkirchen zur Kommandantur  durchgedrungen dass die Truppe eigenmächtig gehandelt hatte. Darauf hin musste die Truppe sofort den Ort verlassen, nahmen jedoch alles was nicht „Niet- und Nagelfest“ war mit.
Die Besatzer beschädigten jedoch nichts, zurückgelassene Schweine wurden sogar versorgt.
Das war wohl für die Seifener Bürger die aufregendste Zeit.

Schöne Tage gab es auch!
Waren die Regale auch leer, wurde dennoch nicht auf „Süßes „verzichtet!
Die Spitzen abgeernteter Zuckerrüben kochte man zu Sirup, um sie anschließend zu Bonbons zu „brutzeln“.

Ganz langsam wieder Normalität im Dorf
In den letzten Kriegsjahren und  der Zeit danach war an Schulalltag noch nicht zu denken. Der Unterricht fand nur  sporadisch  statt, Lehrer aus Oberlahr und umliegenden Dörfern halfen den

Schulklasse etwa 1957

Schulbetrieb aufrecht zu halten.

Der Waldbrand 
1947, so berichtet die Schulchronik, gab es einen sehr heißen Sommer. Die Dampflok fuhr täglich die Strecke  Altenkirchen-- Siershahn. Gleich hinter dem Bahntunnel  fing durch Funkenflug die Böschung Feuer. Durch trockenes Unterholz begünstigt kam es  schnell zu einem großen Waldbrand. Die umliegenden Feuerwehren waren seinerzeit noch nicht in der Lage auf solch große Brände mit passendem Gerät zu reagieren. Die Dorfbewohner halfen mit allen  Mitteln den Brand zu bekämpfen. Durch den Einsatz der besser ausgestatteten Neuwieder Feuerwehr und günstigen Wetterbedingungen konnte der Brand letztendlich bekämpft  und der Schulberg gerettet werden.

Mobilität hält Einzug in Seifen!
Selbst ein Fahrrad ist keine Selbstverständlichkeit in den Nachkriegsjahren. So berichtete uns Manfred Weingarten, dass er sein erstes im Alter von zwölf Jahren bekam. Der Verkehr auf den Straßen, wenn man sie als solches bezeichnen konnte, hielt sich in diesen Jahren noch sehr in Grenzen.

Auch die gefahrene Geschwindigkeit war mit der heutigen nicht vergleichbar, so dienten Lastkraftwagen den Seifener Kinder auf dem Weg zum Konfirmandenunterricht nach Schöneberg als Transportmittel.
Denn einmal auf dem Rad sitzend  an der Pritsche festgehalten, wurde diese erst an der Abbiegung nach Schöneberg wieder losgelassen.
So ging es zu  auf der Landesstraße. Um Dorfstraßen und Wirtschaftswege vernünftig  zu befahren, musste seinerzeit auch mal das ganze Dorf ran.
So wurde z.B. der Waldweg 1951 mühsam mit Material aus dem eigenen Steinbruch befestigt. Im Anschluss rollten  die  Seifener
„11er DEUTZ“ mit Gleisschotter von der stillgelegten
„Linzer- Bahn“ heran, um  den Wegebau  zu vollenden.
Mobile Eintöpfe besaßen  zu dieser Zeit: Heinrich Meister, Jakob Heck, Helmut Walterschen und Weingartens. Letztere  leisteten sich den ersten „11er“ im Dorf.
Das erste Auto in Seifen stand in Walterschens Hof.

Telefon…. gab es auch – nur anders!
Die Poststelle befand sich in den Nachkriegsjahren bei Erna Seyfert. Von 1961 bis 1982 bei Werner Fiersbach. Erst  danach wurde die Post zentral von Flammersfeld verwaltet.
Der erste  Fernsprecher wurde ebenfalls bei Werner Fiersbach installiert. Lief die kleine  Tochter Gisela  schnellen Schrittes durchs Dorf, wusste man, es handelt  sich um ein Telefonat für die Nachbarschaft. In Erinnerung  an diese Zeit, bleibt das schwarze Telefon mit der großen Wählscheibe.
„Im Handyzeitalter schier unvorstellbar“

… gesungen wurde auch in Seifen!
„Mitte April  kamen einige Frauen zu Gesangsabenden in der Schule zusammen. Ich übernahm das Amt des Chorleiters. Als sich  bald darauf auch einige Männer dazugesellten, konnten wir im Mai 1951 den „Gemischten Chor Seifen“ gründen“.
Fortan wurde dieser zu gelegentlichen Anlässen, wie Jubiläen oder sonstigen dörflichen Veranstaltungen aktiv.

Originalaufzeichnung des Lehrer Rolf Seyffert aus dem Jahre 1951.
Nachzulesen in der Schulchronik der Dorfschule Seifen.

 

Kulturhighlight…   Schützenfest Döttesfeld
Über viele Jahre war das Schützenfest in Döttesfeld der kulturelle  Höhepunkt des Jahres. Nicht wie  in heutiger Zeit, wo an  jedem Wochenende  eine andere Feier lockt, hatte dieses Fest in

Die Schützen ziehen

jenen Jahren einen hohen Stellenwert. Aus diesem Grund fühlten sich viele Seifener dem Schützenverein Döttesfeld eng verbunden. Aus diesem Anlass durfte auch bei schönem Wetter einmal die Feldarbeit liegen bleiben.
So begann auch der Festzug montags nicht in Döttesfeld, sondern in der Dorfmitte von Seifen wo bereits  gelacht und getanzt wurde. Musikalische  Unterstützung bot vielfach eine Blaskapelle aus Betzdorf. Deren Mitglieder verbrachten die kompletten Festtage an Wied und Holzbach , sie  übernachteten bei Seifener und Döttesfelder Familien.

 

 


RZ v.15.9.2011:
Als noch der Ochse im Dorf für Strom sorgte

Geschichte: Zwei Seifener sammeln alte Erzählungen aus der Gemeinde

Von unserer Mitarbeiterin Kathrin Stricker

M Seifen. Geschichten und Erlebnisse aus der Gemeinde Seifen, an die sich nur noch die Älteren im Dorf erinnern, tragen Torsten Walterschen (39) und Andreas Becker (38) zusammen. „Seifener Histörchen“ nennen die Männer ihre Aktion, für die sie in dem 140-Seelen-Ort viel Zuspruch bekommen. Wichtig war beiden, keine Dorfchronik zu erstellen, die sich an festen Daten orientiert, sondern Erlebnisse zu sammeln, die nur noch mündlich überliefert werden.

„Ursprünglich hatten wir uns ausgemalt, dass wir die Kinder mit zu den Gesprächen hinzunehmen. Doch das hat nicht funktioniert, weil der Nachwuchs während der Gespräche mit den Senioren keine Geduld aufgebracht hätte. Und alle unter einen Hut zu bekommen, war schwierig“, erinnert sich Walterschen. Also planten Familienvater Walterschen, der in Seifen wohnt und dort eine eigene Firma betreibt, und Andreas Becker, der mit Frau und Kindern seit zehn Jahren in der Gemeinde lebt, neu und besuchten die Senioren allein. Zu zweit klingeln sie seit Frühjahr dieses Jahres bei knapp einem Dutzend Familien und investieren pro Abend ein bis mehrere Stunden Zeit. Gesammelt haben sie eine Menge Material, das sie noch zusammenschreiben werden. Dazu nehmen sie noch weiteres Material an.

Vor 54 Jahren gab es in Seifen eine Theatergruppe,
die heute nicht mehr existiert. Das Foto wurde 1957 gemacht
.

Herausgekommen sind etliche Geschichten, die die Initiatoren selbst nicht kannten. Überrascht hat Walterschen etwa der Bericht von dem großen Waldbrand. „Daran kann ich mich nicht erinnern, dass Verwandte davon gesprochen haben, dabei bin ich im Dorf groß worden“, sagt er.

Nicht gewusst haben er und Becker, dass im Kriegsjahr 1945 französische Besatzungstruppen allen Seifenern befahlen, ihr Dorf zu verlassen. Gehorsam zogen die Menschen Richtung Döttesfeld, um bei Verwandten und Bekannten unterzukommen. Ihr komplettes Dorf hinterließen sie den Besatzern. Lediglich das Vieh durften sie zweimal täglich aufsuchen, um es zu versorgen. „Nach zehn Tagen war der Spuk vorbei, denn es hatte sich bis zur Kommandantur in Altenkirchen herumgesprochen, dass die Truppe eigenmächtig gehandelt hatte“, sagt Becker.

Neben traurigen, aufregenden und bedrückenden Erlebnissen wird in Seifen auch Amüsantes erzählt. Wie das vom Ochsen, der – angebunden an ein Gestell – seine Runden drehte und damit einen Dynamo zur Stromerzeugung betrieb. Später stellten die Seifener selbst Hochspannungsmasten auf, um an das überregionale Stromnetz angeschlossen zu werden. Doch damit war die Stromversorgung noch nicht so, wie man sie heute kennt. Denn wenn zwei Bauern im Unterdorf ihre Starkstrommotoren anwarfen, standen die übrigen Haushalte im Oberdorf im Dunklen.

Unvergessen sind die Streiche der Dorfjugend, die sie etwa dem Lumpensammler August Schmidt spielten. Ihm stahlen sie die Fleischwurst unter dem Kutschbock und ersetzten sie durch ein Stück Holz, das sie wieder fein säuberlich in Butterbrotpapier wickelten. Erinnern kann sich Walterschen daran, dass es in der damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches war, das erste Fahrrad nicht vor dem zwölften Lebensjahr zu bekommen, und dann nicht eins in passender Größe, sondern irgendeins, das aufzutreiben war. Mit dem radelten die Kinder dann in das rund 14 Kilometer entfernte Schöneberg zum Konfirmandenunterricht.

RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Donnerstag, 15. September 2011, Seite 22

 

Seifener Histörchen

Auf dieser Seite möchten wir in vielen kleinen Geschichten Seifens Geschichte von einer anderen Seite dokumentieren.

Abgesehen  von den Kisten auf den Speichern mit alten Bildern und Dokumenten wollen wir allem die noch lebenden  Zeitzeugen befragen und mit Ihnen über alte Zeiten sprechen, Wissen , das sonst vorloren gingen dokumentieren und unsren Bürgenrn zur Verfügung stellen.

Es wird hoffentlich eine Sammlung von zum einen "netten" Geschichten, aber auch Wissen über Häuser, Berufe, Orte, Pflanzen und natürlich die "Alten" enstehen.

Autor: Wolfgang Conzendorf